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Franziskus Weg Tag Eins

FRANZISKUS WEG | Italien | Wandern mit Hund | SANT ´ELLERO BIS VALFABBRICA

02. - 09. November 2017 | Zunächst Bewölkt und viel Nebel, später Gewitter und vereinzelt Sonne| 05 - 18 C° | 243 Kilometer - Sehr anspruchsvoll


Charakter der Wanderung:
Die Wegeführung ist optimal. Einige Kilometer sind auf äußerst wenig befahrenen kleinen Landstraßen, Schotterpisten und befestigten Nebenstraßen zu gehen, oder auch auf gut zu gehenden Waldpfaden und Wiesenwegen, extremer sind die gerölligen, mit Fußballgroßen Steinbrocken durchsetzten Pfade oder die langen An- und Abstiege auf losem Steinmaterial. Es sind auch einige Bachdurchquerungen und der Gang über eine Viehweide zu bewerkstelligen. Auf der gesamten Wanderung habe ich hoch in den Bergen fast niemanden getroffen. Das mag an der Jahreszeit liegen. Unabhängig davon dürfte es sich dennoch um eine ausgesprochen einsame Wegstrecke handeln.
Ein insgesamt grandioses Naturerlebnis gewürzt mit viel Abenteuer. Ich möchte diese Tour auf jedem Falle weiter empfehlen und anregen sie selbst zu versuchen. Achtet auf einen möglichst leichten Rucksack, ihr werdet unterwegs die Möglichkeit bekommen Proviant dazu zu kaufen.

Tag EINS | 02. Nov 2017

Sant ´Ellero bis Gualdo | 21,1 Kilometer
Komme ziemlich ausgeruht an meinem Ziel, Sant Èllero an. Sant Èllero ist nur eine Bahnstation mit zwei großen Pendlerparkplätzen, einer Papierfabrik und weiter unten eine Hand voll Häuser. Diese Parkplätze sind „natürlich“ jetzt am Vormittag alle besetzt als ich dort ankam. Nach ein paar Ehrenrunden wurde dann tatsächlich ein Plätzchen für mein Fahrzeug frei. Ich verlor keine Zeit; Raus aus den „Reiseklamotten“ und rein in meine Wandersachen, welche ich für die nächsten acht Tage unentwegt tragen sollte. Meinen Rucksack hatte ich Zuhause schon vorbereitet, er war so wie er war fertig zum „Gebrauch“.

Informationen zur Tour

  • Sie können die Tour bei outdooractive
    herunterladen.
  • Insgesamt 243 Kilometer
  • 7466 Höhenmeter
  • Acht Tage (Acht Etappen)
  • Von mir vergebenes Prädikat: "Sehr gut"
  • Anforderung an Kondition:"Sehr Hoch"
  • Schwierigkeitsgrad:"Schwierig"


Geplant war es, während der Tour nur das Zelt zum Übernachten zu benutzen und bis auf den Zukauf von Lebensmitteln sonst autark zu bleiben. Im Notfall hätten aber auch Unterkünfte aufgesucht werden können, da sich die lokale Wetterlage schnell ändern konnte! Pünktlich um halb Zwölf war ich fertig um loszulaufen. Es war bedeckt und ungefähr 15°C - perfekt zum Wandern. Ich genoss die ersten Schritte ganz bewusst in dieser herrlichen Umgebung. In der Gegend gibt es sehr viele Olivenbäume und Wein. Bis hoch in die Berge reichen die Olivenhaine bis zum Pfad heran und sind schön Anzuschauen. Meine Navigation funktioniert sehr gut mit der kurz zuvor besorgten Italienkarte über Openstreetmap. Die Karte ist erstaunlich genau. Meine Yuki lasse ich vorerst angeleint. Möchte zunächst erfahren ob der sonst übliche Freilauf des Hundes auch hier funktioniert. Das Tier ist doch erheblichen neuen Reizen ausgesetzt! So wandere ich an diesem ersten Tag immer höher hinein in die Berge. Anfänglich liegen am Wegesrand noch kleinerer Ansiedlungen und Weiler. Ich fühle mich gut, meine Unternehmung scheint gut anzulaufen.
Jetzt geht es immer steiler bergauf, die Pfade sind eigentlich keine Pfade so wie ich sie von Zuhause her gewöhnt bin! Sie gleiche mehr „ausgewaschenen Flussbetten“ mit Kopfgroßen Steinbrocken und jeder Menge unbefestigtem Geröll. Es geht immer weiter hoch zum „Consuma-Pass“ auf 1085 m. Zur Verdeutlichung: Sant Èllero liegt auf 117 Höhenmetern, es geht 18 Kilometer immerzu berauf bis zum Pass. Ich verfluche irgendwann jedes Gramm welches ich nach meiner Meinung zu viel im Rucksack habe. Ich hatte für volle vier Tage Proviant, eineinhalb Liter Wasser und zudem eine größere Menge Hundefutter neben meiner gewöhnlichen Leichtgewichts Ausrüstung „an Bord“. Das „wiegt“ natürlich. Ich beschließe etwas von dem Wasser und Hundefutter zu entfernen. So – nun geht es wieder leichter voran und ich durchlaufe schon bald „Consuma“ und danach noch „Gualdo“. Ich habe zu diesem Zeitpunkt einen Riesen Respekt vor meiner selbst gestellten Aufgabe bekommen. Diese Umstände hier vor Ort lassen sich nur schwer mit meinem Fichtelgebirge vergleichen! Das Fichtelgebirge ist ein „Sandkasten“ dagegen! Diese brutalen Anstiege und die schlechten Wegverhältnisse hatte ich so nicht unbedingt erwartet.
Die Sonne geht gegen 17:00 Uhr unter und um halb sechs ist es dunkel. Deshalb bin ich bestrebt nach einem geeigneten Lagerplatz Ausschau zu halten. Ich durchlaufe den letzten Ort um von der Ansiedelung weg, wieder hoch in den Bergwald zu kommen. So finde ich recht bald an abgeschiedener Stelle und doch direkt am Pfad einen schönen ebenen Platz unter dichten Laubbäumen und kann beginnen das Zelt aufzubauen. Noch vor Einbrechen der Dunkelheit ist es mir gelungen meine „Schlafstatt“ für diese Nacht einzurichten, ich liege schon um Sechs Uhr wie ein Murmeltier im Schlafsack, Yuki hat es sich in der Apsis des Zeltes gemütlich gemacht, es liegt eine größere Menge trockenes Laub unter ihr. Ich schlafe recht bald ein und wache irgendwann in dieser Nacht auf. Es ist hier so unglaublich still! Es ist still – wie in einem Grab. Kein Geräusch – kein Wind der die Blätter zum rauschen bringt, kein Tier welches Laute von sich gibt, kein Wasserlauf in der Nähe welcher glucksende Geräusche verursachen könnte. EINFACH NICHTS Ich hatte mich zum ersten Mal seit ich draußen übernachte gefragt: Was ich hier eigentlich mache und ob es nicht besser wäre dieser Stille zu entfliehen und das ganze Unternehmen abzubrechen! Ich beschloss dann diesen Augenblick zu leben, es auszuhalten und die unheimliche Stille bewusst anzunehmen. Später begann es zu regnen, die Geräusche die der Regen verursachte begannen die Stille zu durchdringen. Die Wolken stauten sich am Berg und regneten ab. Der Regen dauerte die ganze Nacht hindurch an. Ich schlief dann noch ein und erwachte als mir der Morgen das erste Licht ins Zelt schickte.

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